Frostige Ernte

Frostige Ernte

Die Apfelernte 2017 ist die schlechteste seit über 20 Jahren

„Erste Zählungen gehen von einer Einbuße von 60 bis 70 Prozent bei Sauerkirschen vor allem aus Polen, 30 Prozent bei Erdbeeren, auch aus Deutschland, und 20 Prozent bei Himbeeren aus. Dramatisch ist die Lage auch bei Pflaumen (– 65 Prozent), Heidelbeeren (– 75 bis – 85 Prozent), Rhabarber (– 50 Prozent), schwarzen und roten Johannisbeeren (– 55 bzw. – 50 Prozent). Enorme Verluste werden auch für Äpfel erwartet; genaue Zahlen werden aber erst in den kommenden Wochen vorliegen.“

Auszug aus der Pressemitteilung des Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e.V. vom 28.07.2017

Grund für die hohen Ernteeinbüßen ist ein Zusammenspiel aus extremen Wetterlagen:

März

Hohe Temperaturen zu Beginn des Jahres bedingten eine frühe Blüte der Obstbäume.

April

Diese frühen Blüten wurden im April durch das Einsetzen von Spätfrost (Nachtfrost) zerstört.

Blüten retten, aber wie?

Um die empfindlichen Blüten vor dem Frost zu schützen, kann der Obstbauer diese mit sehr feinen Wassertröpfchen besprühen. Das Wasser gefriert auf den Blüten und gibt, während es kristallisiert, Wärme frei. Um die Blüten rechtzeitig vor Frost zu schützen und einen Ernteausfall im Herbst zu vermeiden, beginnen die Obstbauern schon bei 0,5°C Lufttemperatur, die Bäume zu beregnen. In der Nacht bleibt die Blüte in einem kleinen Eispanzer, der von innen nicht kälter als 0°C wird. Morgens bei Sonnenaufgang schmilzt das Eis wieder.

Leider ist der Wasserverbrauch für die Frostschutzberegnung extrem hoch – je nach Größe der Plantage zwischen 20.000 und 50.000 l Wasser. Bei den meisten Streuobstwiesen, besonders in Süddeutschland, wird die Frostschutzberegnung nicht eingesetzt. Deshalb sind gerade die Regionen, in denen die Bauern nicht über Frostschutzberegnungsanlagen verfügen und in denen die Bäume in voller Blüte standen, besonders von den Frostschäden betroffen.

April - Juni

Auch den Bienen war es zu kalt.
Während der Blütezeit der Obstbäume war das Wetter zu kalt und nass, sodass nur wenige Bienen die Blüten bestäuben konnten.

Wild- und Honigbienen, aber auch Schwebfliegen, sind erst bei Temperaturen über zwölf Grad auf Nektarsuche. Sinkt die Temperatur auf unter 10°C, schließen sich die Bienen zu einem kugelförmigen Wintersitz, der sogenannten Wintertraube, zusammen.

Zusätzlich bleiben viele Blüten bei niedrigen Temperaturen geschlossen – einige Bienen suchen zwar nach Nahrung, finden aber keine. Bei Regen und kalten Winden schaffen es viele Bienen vom Wasser holen nicht wieder rechtzeitig in den Stock zurück. Die Bienen befinden sich im März und April in der aufsteigenden Entwicklung. Das heißt, dass ihre Zahl stetig wächst. Kommt es gerade in dieser Phase zu kalten Temperaturen, kann sich das Bienenvolk nicht ausreichend vermehren. Gleichzeitig sterben viele der vorhandenen Bienen, weil sie keine Nahrung finden.

1 Absteigende Entwicklung
2 Winterruhe (Oktober bis Februar)
3 Aufsteigende Entwicklung
4 Spätfrühling/Sommer

Quelle: Wiki – Einführung in die Imkerei

So kalte Temperaturen über so lange Zeit, das ist nicht gewöhnlich. Das ist Stress für die Bienen, denn sie müssen ihr Brutnest wärmen und brauchen dafür mehr Energie.

Jürgen Frühling

Imkerverband

Es ist einfach zu kalt, da fliegen die Bienen nicht. Und diejenigen, die trotzdem den Stock für kurze Sammelflüge verlassen, schaffen es häufig nicht mehr zurück.

Claudia Kutzick

Vorsitzende des Kreis­imkervereins Lüneburg

Juni

Die bereits stark geschmälerten Bestände wurden zusätzlich verkleinert durch starken Junifruchtfall.

Der Junifruchtfall ist die natürliche Reaktion der Obstgehölze auf diesen Fruchtüberbehang. Die Pflanzen stoßen aber in erster Linie die Früchte ab, die keine oder nicht optimal befruchtete Samenanlagen aufweisen. So kann es je nach Sorte und Obst-Art bei guten Witterungs- und Wachstumsbedingungen trotzdem zu einem zu hohen Fruchtbehang kommen. In diesem Falle sollte auf jeden Fall Frucht ausgedünnt werden.

gartenberatung.de

Der Junifruchtfall ist also ein natürliches Phänomen, das der Obstbaum nutzt, um einen Überschuss an Früchten zu entfernen und die Früchte, die sich wegen schlecht bestäubter Blüten schlecht entwickeln würden, loszuwerden. So können die gut entwickelten Fruchtanlagen optimal ausreifen.

In diesem Jahr ist schon ein großer Teil der Blüten durch Frost beschädigt worden, dazu kam die geringere Bestäubung durch die Bienen. Nun setzte der Junifruchtfall trotzdem ein und so wurden auch noch die schlecht bestäubten Samenanlagen abgeworfen. Die Ernte wurde zusätzlich verringert.

Was bedeutet das für die Ernte?

Was bedeutet das für die Ernte?

Apfelernte in Deutschland

Die Apfelbauern sind sich einig – dies ist die schlechteste Ernte seit 1999. Die Erntemenge liegt in vielen Regionen bei weniger als einem Drittel des Durchschnitts.

In diesem Jahr haben wir in Deutschland Frostschäden beim Obstbau in Höhe von rund 200 Millionen Euro bis hin zu regionalen Totalausfällen.

Joachim Rukwied

Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV)

Auf manchen Feldern sind bis zu 90 Prozent der Blüten erfroren. Das ist eine Katastrophe. So einen Schaden habe ich noch nicht erlebt.

Martin Nüberlin

Sprecher der Lindauer Obstbauern

Die Temperaturen steigen, damit wächst das Potenzial für Starkregen und Dürren.

Christoph Gornott

Agrar-Experte beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Kirschernte in Deutschland

Auch die Kirschblüten hat der Frost schwer erwischt – nur 30 bis 50 % der üblichen Menge konnte geerntet werden. Dabei fällt die Süßkirschernte noch deutlich geringer aus als die Sauerkirschernte.
Große Totalausfälle sind insbesondere aus Baden-Württemberg zu vermelden.

Es ist katastrophal. Am 19. und 20. April herrschten nachts in den Gärten bis zu minus 7 Grad. Weil die Süßkirschen in diesem Jahr so früh blühten, sind rund 90 Prozent erfroren.

Walter Kassin

Obstbauverein Werder

Obsternte in der EU

Einige Landwirte haben die Ernte 2017 bereits an den Frost im Frühjahr verloren, andere müssen Einbußen wegen Trockenheit oder Hagel hinnehmen.

Die fehlende Apfel-Rohware lässt sich allein durch Importe nicht kompensieren, da die gesamte EU betroffen ist.

BOGK e.V. (28.07.2017)

Europäisch gesehen, werden wir eine sehr viel kleinere Ernte haben, vielleicht sogar die kleinste der letzten 20 Jahre.

Kris Wouters

Wouters Fruithandel

  • EU gesamt: -21%
  • Österreich: -70%
  • Belgien: -60%
  • Holland: -30%
  • Italien: -23%
  • Polen: -21%
  • Frankreich: -8%

Was bedeutet das für unsere Säfte und Nektare?

Was bedeutet das für unsere Säfte und Nektare?

Liebe Kundin, lieber Kunde,

außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Und in genau solchen Zeiten befinden wir uns. Die Ernten für viele heimische Obstsorten sind in diesem Jahr in Zentraleuropa so schlecht, wie schon seit über 25 Jahren nicht mehr. Der überdurchschnittlich warme März begünstigte das Wachstum der Blüten zwar zuerst, sodass schon viele Bauern auf eine sehr gute Ernte hofften.

Doch der Frost im April zerstörte sehr viele Apfel- und Kirschblüten – vielleicht haben Sie das auch im eigenen Garten bemerkt. Ohne Blüten kann aber keine Frucht entstehen, was zu einer schlechten Ernte und zu steigenden Preisen führt. In dieser schwierigen Situation sind wir leider dazu gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die uns selbst nicht gefallen, weil Preissteigerungen der aktuellen Höhe die Existenz eines Familienunternehmens wie das unsere massiv gefährden würden!

Diese Maßnahme möchten wir natürlich so schnell es geht wieder rückgängig machen – in Ihrem und in unserem Interesse.
Über Ihr Verständnis würde ich mich sehr freuen!

Sebastian Koeppel
Urenkel von Bertha Becker und geschäftsführender Gesellschafter

Folgende Produkte sind von dieser Maßnahme betroffen:

1L Mehrweg Sortiment

Wir werden eine Preiserhöhung für die Produkte klarer und trüber Apfel, Apfelschorle, die Apfel-Mischprodukte und Kirsche vornehmen.

Da vor allem Rohwaren aus Deutschland betroffen sind, werden wir die heimischen Säfte diese Saison als Apfel-Birne, Apfel-Rhabarber und Apfel-Johannisbeere aus Rohwaren europäischen Ursprungs anbieten und deswegen auf die Bezeichnung „heimische Früchte“ verzichten.

1L Tetra-Pak

Wir werden eine Preiserhöhung für die Produkte klarer und trüber Apfel, Kirsche, Frühstückssaft und  Multi vornehmen.

1L PET

Da vor allem Rohwaren aus Deutschland betroffen sind, werden wir die heimischen Säfte diese Saison als klarer und trüber Apfel, Apfel-Birne, Apfel-Rhabarber und Apfel-Johannisbeere aus Rohwaren europäischen Ursprungs anbieten und deswegen auf die Bezeichnung „heimische Früchte“ verzichten.

Bei den Produkten klarer Apfel, trüber Apfel und Orange werden wir die Rezepturen dahingehend verändern, dass wir bei den Apfelsäften den Direktsaftanteil reduzieren werden und den Orangensaft nicht mehr als milde Variante anbieten.

Das Symbol einer Ausnahmesituation

Damit Du erkennst, welche Produkte von der frostigen Ernte betroffen sind, haben wir diese mit unserem Baum gekennzeichnet.

Noch Fragen?

Vielleicht ist hier schon die Antwort dabei.

Warum sind die Säfte jetzt teurer?

Da nun ein Mangel an Rohware herrscht, sind die Preise wegen der gleichbleibenden Nachfrage deutlich gestiegen. Um als Unternehmen weiter existieren zu können, müssen wir die Preise anpassen.

Warum gab es die „Frostige Ernte“ nur bei den beiden Fruchtsorten?

Auch andere Fruchtsorten sind betroffen, zum Beispiel Erdbeeren, Himbeeren, Pflaumen, Heidelbeeren, Rhabarber, schwarze und rote Johannisbeeren. Die meisten dieser Früchte sind in unseren Säften nicht enthalten.

Warum importiert Ihr dann keine Äpfel und Kirschen aus anderen Ländern?

Leider sind auch andere Länder der EU vom Ernteausfall betroffen. Gerade bei Äpfeln und Kirschen ist die Lage EU-weit dramatisch.

Warum sind die Säfte der anderen Fruchtsafthersteller nicht teurer?

Sie haben sich bestimmt gefragt, wieso andere Safthersteller ihre Säfte nicht teurer verkaufen müssen. Dies liegt meistens daran, dass diese noch Ware aus dem Vorjahr gelagert haben und diese zuerst aufbrauchen können. So können sie die schlechte Ernte dieses Jahres bis zur nächsten Ernte überbrücken. Wir als relativ kleines Familienunternehmen haben leider nicht die Möglichkeit, so viel Rohware zu lagern und sind deshalb viel abhängiger von den aktuellen Preisen.

Warum sehe ich die Preiserhöhung noch nicht im Regal?

Die Preiserhöhung wird von uns zunächst nur an die Märkte weitergegeben. Diesen ist es dann überlassen, ob sie den Preis an den Kunden weitergeben oder mit einem geringeren Gewinn auskommen. Es kann also Märkte geben, die sich bewusst gegen eine Preiserhöhung entscheiden.
Wir selbst möchten natürlich, dass die Preiserhöhung so bald wie möglich wieder rückgängig gemacht werden kann, damit Sie unsere Produkte zu den gewohnten Preisen in Ihrem Markt erhalten können.

Frage doch nicht beantwortet?

Ruf uns an unter +49 (5503) 9858-66 oder