Wissenswertes
Lycopin kann Knochenschwund vermindern
Kanadische Forscher haben festgestellt, dass mit zwei Gläsern Tomatensaft das Osteoporoserisiko gesenkt werden kann. Der Grund: Die Inhaltsstoffe des Saftes können das Vorkommen freier Radikale reduzieren.
Aber wie hängen Radikale und Knochenschwund zusammen? Oxidativer Stress durch freie Radikale fördert den Knochenabbau. Insofern sind Stoffe, die freie Radikale abfangen und so diesen Stress abmildern oder gar verhindern können, hilfreich. Die Wissenschaftler hatten die Idee, eine altbekannte antioxidativ wirkende Substanz in Bezug auf eine mögliche Schutzfunktion für den Knochenstoffwechsel zu testen: das Lycopin.
Dieser rote Farbstoff gehört zu den Carotinoiden und ist z. B. in Tomaten, Wassermelonen, Guaven und Pink-Grapefruits enthalten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bereits 30 mg Lycopin – das entspricht der Menge in 2 Gläsern Tomatensaft – ausreichend sind, um das Osteoporoserisiko (Knochenschwund) zu reduzieren.
Osteoporose oder Knochenschwund ist durch einen Abbau von Knochenmasse gekennzeichnet. Infolgedessen erhöht sich das Knochenbruchrisiko. Insbesondere Frauen nach der Menopause leiden häufig unter dieser Erkrankung. Grund hierfür ist die Hormonumstellung. Die weiblichen Sexualhormone fördern die Bildung von festen Knochen, indem der Knochenabbau gehemmt wird. Nach den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und der Knochenabbau nimmt zu.
Vorbeugend und um dem entgegen zu steuern, wird bislang das in Milchprodukten enthaltene Calcium und Vitamin D empfohlen. Nach den neuen Studienergebnissen könnte auch Tomatensaft dazu beitragen das Osteoporoserisiko zu senken. Dabei hat es eine ganz andere Wirkungsweise. Calcium wird mit Hilfe von Vitamin D in Knochen eingebaut, sie sind also für den Knochenaufbau und die Stärkung der Knochen zuständig. Lycopin hingegen verhindert den Knochenabbau, indem es freie Radikale abfängt.
Lycopin ist der rote Farbstoff, der insbesondere in Tomaten zu finden ist. Werden Tomaten vor dem Verzehr zerkleinert und erhitzt oder verarbeitet, ist die Aufnahme des Lycopins im Körper höher, da es sich aus den Zellstrukturen löst und besser resorbiert werden kann. Entsprechend ist die Verfügbarkeit aus Tomatensaft höher als aus rohen Tomaten. Bislang war Lycopin dafür bekannt, das Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen zu senken.
Laut den kanadischen Wissenschaftlern handelt es sich bei Lycopin um ein sehr effektives Carotinoid, das in der Lage ist, oxidativen Stress zu reduzieren. In voran gegangenen Zellkulturstudien konnte auch bereits gezeigt werden, dass Lycopin den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen kann, indem es den Knochenaufbau stimuliert und den -Abbau hemmt.
Diese Wirkung überprüften die Forscher nun an 60 postmenopausalen Frauen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Nach der Theorie der kanadischen Forscher könnte Lycopin den oxidativen Stress an den Knochen herabsetzen und dadurch den Knochenabbau vermindern.
Für einen Monat durften die Studienteilnehmerinnen keine Lebensmittel essen, in denen Lycopin enthalten war, um falsche Resultate auszuschließen. Jeweils 15 Teilnehmerinnen wurden danach für vier Monate in eine von insgesamt vier Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe sollte täglich zwei Gläser Tomatensaft trinken, in denen 30 mg natives Lycopin enthalten war. Die zweite Gruppe trank zwei Portionen mit Lycopin angereicherten Tomatensaft, so dass diese Gruppe täglich insgesamt 70 mg Lycopin erhielt. Die dritte Gruppe bekam täglich 2 Kapseln mit jeweils 15 mg Lycopin und die vierte Gruppe bekam Placebo-Kapseln, in denen kein Lycopin enthalten war.
Nach dem lycopinfreien Monat war bei allen Frauen bereits das Osteoporoserisiko durch erhöhten Knochenabbau gestiegen. Nach den folgenden weiteren vier Versuchsmonaten hingegen zeigte sich, dass die Teilnehmerinnen, die Lycopin als Saft oder Kapseln bekamen, eine signifikant höhere antioxidative Kapazität, weniger oxidativen Stress und weniger Marker für Knochenabbau aufwiesen als zu Beginn der Studie.
Zwischen den Tomatensäften und den Lycopin-Kapseln gab es keine signifikanten Unterschiede. In allen drei Lycopingruppen stieg die antioxidative Kapazität bis zum Ende des Versuchszeitraumes signifikant um fast 9 % an, bei der Placebogruppe fiel sie hingegen um 3 %. Auch die Oxidationsrate der Eiweiße und Fette sank bei den Lycopingruppen im Gegensatz zu der Placebogruppe signifikant ab. Der Marker für den Knochenabbau (NTx) sank nach 2 Monaten Lycopingabe um 8 %, nach vier Monaten bereits um 15 %. Bei den Frauen, die kein Lycopin bekamen, stieg der Marker hingegen nach vier Monaten um 9 % an. Die Autoren vermuten, dass das Absenken des Markers durch die antioxidativen Wirkungen des Lycopins zu erklären ist.
Scheinbar hilft bereits die Lycopinmenge von zwei Gläsern Tomatensaft pro Tag, das Osteoporoserisiko zu senken. Für diese Wirkung reicht herkömmlicher Tomatensaft aus, eine weitere Anreicherung ist nicht notwendig. Frauen sollten diesen Studienergebnissen zu Folge nach der Menopause also nicht nur auf ausreichend Calcium und Vitamin D achten, sondern auch an Tomatensaft denken.
Quelle:
Mackinnon ES et al. (2010): Supplementation with the antioxidant lycopene significantly decreases oxidative stress parameters and the bone resorption marker N-telepeptide of type I collagen in postmenopausal women, Osteoporosis International Quelle